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German

Auf der Suche nach dem verlorenen Augenblick : Erinnern, Erzählen und Schreiben in Christa Wolfs Nachdenken über Christa T. und Peter Handkes Wunschloses Unglück

ContributorsGamboni, Florence
Number of pages84
Master program titleMaîtrise universitaire ès Lettres : Langue, littérature et civilisation allemandes
Handover date2020-08-07
Defense date2020-08-26
Abstract

Die vorliegende Studie vergleicht das Verhältnis zwischen Erinnern, Erzählen und Schreiben in zwei zeitgenössischen Erzählungen: Christa Wolfs Nachdenken über Christa T. (1968) und Peter Handkes Wunschloses Unglück (1972). Sie schliesst eine Forschungslücke, indem sie die vergleichbare narrative Struktur beider Werke untersucht, in denen die Erzählerfigur sich an eine verstorbene Person erinnert: an eine Freundin der Erzählerin in Nachdenken über Christa T. und an die Mutter des Erzählers in Wunschloses Unglück. Beide Werke gehen von biografischen Ereignissen aus – dem Tod von Christa Tabbert-Gebauer, einer Freundin von Christa Wolf (1963), und dem Selbstmord von Maria Handke, der Mutter des Autors (1971).

Im Vergleich zeigt sich, dass beide Texte unterschiedliche narrative Strategien wählen, um Erinnerung und Erzählung miteinander zu verbinden und somit eine «Mimesis des Erinnerns» (vgl. Michael Basseler & Dorothee Birke) herzustellen. Die Besonderheit beider Texte liegt nämlich darin, dass sie Erinnerung nicht nur als ein Hauptthema behandeln, sondern auch als Massstab für ihre Struktur einsetzen. In Nachdenken über Christa T. wird Erinnerung vor allem durch die Reflexion über eine verlorene Freundschaft und die Suche nach einem authentischen Bild der Verstorbenen konstruiert. Im Gegensatz dazu ist die Erinnerung in Wunschloses Unglück fragmentierter: Der Erzähler hat zunächst Schwierigkeiten, seine Trauer auszudrücken und eine biographische Erzählung zu formulieren. Diese unterschiedlichen Herangehensweisen spiegeln sich auch in der (inszenierten) Nutzung von dokumentarischen Quellen wider, die in Nachdenken über Christa T. eine zentrale Rolle spielen, während sie in Wunschloses Unglück nur eine untergeordnete Bedeutung haben, was die subjektive Dimension der Erinnerung verstärkt. Beide Erzählungen lassen sich als Metabiographien (vgl. Caitríona Ní Dhúill) lesen, welche elegische Traditionen mit programmatischer Unabgeschlossenheit fortsetzen.

Wolfs Text zeichnet sich durch repetitives Erzählen aus, als Versuch, Christa T. zu «sehen», während Handkes iterative Narration die Entfremdung der Mutterfigur zum Ausdruck bringt. In beiden Werken offenbaren die zeitlichen Strukturen jedoch eine Ästhetik des Augenblicks, die zwar nur punktuell zum Vorschein kommt, aber als deutlichsten Versuch einer Überwindung der elegischen Distanz fungiert, die erst zur Voraussetzung des literarischen Schreibens erklärt wurde. Solche Momente kristallisieren die Beziehung zwischen der erinnernden Erzählerinstanz und der erzählten Figur heraus und symbolisieren – über die Dialektik von Reflexions- und Handlungsebene hinaus – den Wunsch, die Verstorbenen retrospektiv authentischer zu erfassen – ein Motiv, das an zentralen Stellen durch symbolische Blicke zum Ausdruck kommt.

Keywords
  • Christa Wolf
  • Peter Handke
  • Erinnerung
  • Gedächtnis
  • Nachdenken über Christa T
  • Wunschloses Unglück
  • Subjektive Authentizität
  • Neue Subjektivität
  • (Meta)biographie
  • Elegische Tradition
  • DDR-Literatur
Citation (ISO format)
GAMBONI, Florence. Auf der Suche nach dem verlorenen Augenblick : Erinnern, Erzählen und Schreiben in Christa Wolfs Nachdenken über Christa T. und Peter Handkes Wunschloses Unglück . Master, 2020.
Main files (1)
Master thesis
accessLevelPublic
Identifiers
  • PID : unige:183004
75views
105downloads

Technical informations

Creation08/02/2025 22:26:13
First validation10/02/2025 08:12:01
Update10/02/2025 08:12:01
Status update10/02/2025 08:12:01
Last indexation10/02/2025 08:12:02
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